Zahlen, Daten, Fakten
Handwerk im Kammerbezirk
Das Handwerk im Kammerbezirk Münster behauptet sich auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen als stabiler und vielfältiger Wirtschaftsfaktor.
Rückläufige Geschäfte forderten Betriebe heraus
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen blieben für viele Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster auch 2025 herausfordernd. Eine Umfrage der Handwerkskammer Münster zum Jahresende zeigte ein differenziertes Bild: Während knapp jeder vierte Betrieb von einer verbesserten Geschäftsentwicklung berichtete, verzeichneten deutlich mehr Unternehmen rückläufige Geschäfte. Insgesamt überwog eine zurückhaltende Einschätzung der wirtschaftlichen Lage, auch wenn sich die Situation gegenüber dem Vorjahr nicht weiter flächendeckend verschärfte. Zugleich hellten sich die Erwartungen für das erste Quartal 2026 leicht auf.
Konjunktur 2025
Zwischen Stabilität und Stagnation
Die Konjunktur im Handwerk des Kammerbezirks Münster zeigte sich 2025 insgesamt robust, blieb jedoch von wirtschaftlicher Unsicherheit und fehlenden Wachstumsimpulsen geprägt. Sowohl die Frühjahrs- als auch die Herbstumfrage der Handwerkskammer Münster machten deutlich, dass sich viele Betriebe zwar stabil behaupteten, zugleich aber mit zurückhaltenden Erwartungen in die Zukunft blickten.
Im Frühjahr beteiligten sich 666 Betriebe an der Konjunkturumfrage, im Herbst 556. Während im Frühjahr 40 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut bewerteten, lag dieser Anteil im Herbst bei 37 Prozent. Der überwiegende Teil der Betriebe stufte die Lage jeweils als befriedigend ein – eine wirtschaftliche Situation „zwischen Stabilität und Skepsis“ ein. Zwar verfügte das Handwerk über ein solides Fundament, doch fehlten vielerorts die Voraussetzungen für neuen Aufschwung.
Besonders deutlich zeigte sich dies bei den Erwartungen der Betriebe. Im Frühjahr rechneten lediglich 18 Prozent mit besseren Geschäften, im Herbst sogar nur noch elf Prozent. Die Mehrheit erwartete eine stagnierende Entwicklung, rund ein Viertel ging von einer Verschlechterung aus. Die Geschäftsklimaindizes blieben entsprechend nahezu unverändert: Im Frühjahr lag der Wert bei 108,6 Punkten, im Herbst bei 100,7 Punkten. Regional entwickelte sich insbesondere die Emscher-Lippe-Region etwas positiver als das Münsterland.
Die Auftragslage blieb angespannt. Die durchschnittliche Auftragsreichweite bewegte sich im Jahresverlauf zwischen 8,5 und 8,8 Wochen. Gleichzeitig berichteten viele Betriebe von rückläufigen Aufträgen und stagnierenden Umsätzen. Die Kapazitätsauslastung blieb mit rund 78 Prozent zwar vergleichsweise hoch, zeigte jedoch keine Wachstumsdynamik. Vor allem im Winterhalbjahr rechneten zahlreiche Unternehmen mit einer ruhigeren Geschäftsentwicklung.
Auch die Investitionsbereitschaft blieb verhalten. Viele Betriebe verschoben größere Anschaffungen oder reduzierten ihre Investitionen angesichts fehlender Planungssicherheit, hoher Kosten und unsicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Im Herbst planten mehr als ein Drittel der Betriebe sogar weitere Kürzungen ihrer Investitionen. Gleichzeitig belasteten steigende Energiepreise weiterhin viele Unternehmen.
Der Arbeitsmarkt zeigte sich insgesamt stabil. Die Mehrheit der Betriebe hielt ihren Personalbestand konstant, zugleich blieb der Fachkräftemangel eine große Herausforderung. Vier von zehn Betrieben suchten weiterhin neue Mitarbeiter. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen stellten einzelne Unternehmen zusätzliches Personal ein.
Zwischen den einzelnen Gewerbegruppen zeigten sich deutliche Unterschiede. Das Nahrungsmittelhandwerk und das Gesundheitshandwerk entwickelten sich besonders positiv und erwiesen sich als Stabilitätsanker. Das Bauhauptgewerbe profitierte im Jahresverlauf von einer spürbaren Erholung, während Ausbaugewerbe, Kraftfahrzeuggewerbe und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf deutlich verhaltener auf die Zukunft blickten. Die personenbezogenen Dienstleister arbeiteten zwar solide, bewerteten ihre Perspektiven jedoch besonders skeptisch.
Konjunkturbarometer 2019 bis 2025
Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Münster
Erneut mehr Handwerksbetriebe
Der Kammerbezirk Münster blieb im Berichtsjahr ein stabiler Standort für das Handwerk. Zum Jahresende 2025 waren 30.749 Betriebe in die Handwerksrolle der Handwerkskammer Münster eingetragen. Damit ist der Bestand im Jahresverlauf um 137 Betriebe leicht gestiegen.
Angesichts der Altersstruktur vieler Unternehmenschefs hat das Thema Nachfolge weiter an Bedeutung gewonnen. 43 Prozent der Inhaber, gesetzlichen Vertreter und persönlich haftenden Gesellschafter waren 2025 älter als 55 Jahre. HWK-Präsident Jürgen Kroos forderte deshalb verlässliche Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben: „Hände weg von der Erbschaftsteuer, solange das Bundesverfassungsgericht nicht geurteilt hat“, forderte er in Richtung Politik. Die Schonung des Betriebsvermögens müsse beibehalten werden, um den Fortbestand der Familienunternehmen im Handwerk – und damit auch der Arbeits- und Ausbildungsplätze – zu sichern.
In der Handwerksrolle gab es 3.291 Zu- und 3.154 Abgänge – die Dynamik im Betriebsbestand blieb damit hoch. Die Entwicklung verlief innerhalb der Gewerbegruppen unterschiedlich: Zuwächse verzeichnete vor allem das zulassungsfreie Handwerk, während die Betriebszahlen im Vollhandwerk und im handwerksähnlichen Gewerbe rückläufig waren. Auch die Gründungsaktivität blieb stabil. Die Zahl der Existenzgründungen lag 2025 mit 2.933 leicht über dem Vorjahresniveau.
Ein Blick auf die Betriebslöschungen zeigte: Wirtschaftliche Gründe wurden nur in einem vergleichsweise kleinen Teil der Fälle ausdrücklich genannt, etwa durch Insolvenz, Auftragsmangel oder finanzielle Schwierigkeiten. Häufigster Löschungsgrund war weiterhin die Betriebsaufgabe. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Angabe des Löschungsgrundes freiwillig erfolgte. In der Praxis wird „Betriebsaufgabe“ oft auch dann angegeben, wenn wirtschaftliche Faktoren eine Rolle spielen. Viele Betriebe beendeten ihre Tätigkeit rechtzeitig und geordnet, wenn sich abzeichnete, dass die Ertragslage nicht ausreichte. Die Zahl der Insolvenzen war zwar gestiegen, insgesamt blieb ihr Anteil an allen Betriebslöschungen aber auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Betriebe im Kammerbezirk Münster nach Gewerbegruppen des Handwerks 2025
Veränderung des Betriebsbestandes 2015 bis 2025
Existenzgründungen nach Kreisen im Kammerbezirk Münster 2025
Umsatz in Euro nach Gewerbegruppen im Kammerbezirk Münster 2025
Beschäftigte nach Gewerbegruppen im Kammerbezirk Münster 2025
Handwerksrolle 2025: Eintragungen und Austragungen von Betrieben