01.12.2025

Meisterschülerinnen: »Den Werkzeugkoffer trag ich selbst«

Frauen und Handwerk – dazu gibt es zahlreiche Vorurteile. Mit denen wurden auch Mira Mildenberger und Maike Büring schon konfrontiert. Beide besuchen die Meisterschule am Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) Münster.

Maike Büring und Mira Mildenberger (von links) wollen Meisterinnen in Berufen werden, in denen überwiegend Männer tätig sind. Foto: © Thomas Mohn

„Handwerk war von klein auf mein Ding«, sagt Mira Mildenberger: »Mein Papa schraubte immer elektrisch. Da half ich ihm immer.« Daher lag es für die 30-Jährige bei der Berufswahl auf der Hand, auch diesen Weg einzuschlagen. Ihre Mama fragte zwar: »Willst du das wirklich?« Aber bis heute hat sie es nicht bereut, 2011 die Ausbildung zur Elektrotechnikerin zu starten.

Von Architekten und Co. ignoriert

In ihrer mittlerweile zehnjährigen Tätigkeit als Gesellin leitet die Münsteranerin Baustellen. Planer, Architekten oder Kunden rechnen eher mit einem Mann als Ansprechpartner und reden dementsprechend einen Monteur an. »Warum wird mein Kollege angesprochen, obwohl ich im Raum bin und dem Architekten als Bauleitung vorgestellt wurde?«, schildert sie eine Anekdote aus dem Arbeitsalltag.

Ähnliches kennt Maike Büring. »Ein älterer Herr wollte mir nicht glauben, dass Spiegel heute angeklebt werden. Er traute mir ebenso nicht zu, dass ich den Spiegel selbst tragen kann, obwohl dieser jetzt nicht so groß war«, so die Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Das Zutrauen fehle oft. »Ein Kunde bot mir an, meinen Werkzeugkoffer zu tragen. Die Jungs sind heute ja auch keine zwei-Meter-Schränke mehr.«

Will den Familienbetrieb übernehmen

Maike Büring kommt aus einem Familienbetrieb. »Mein Papa und Onkel drängten mich aber nie, etwas Handwerkliches zu machen.« So machte die 28-Jährige aus Rinkerode nach dem Abi erst eine kaufmännische Ausbildung. Dort lernte sie die Haustechnik kennen und lieben, so dass sie 2020 eine Lehre als Installateur- und Heizungsbauerin dranhängte. »Das habe ich bis jetzt nicht bereut.«

Weil im Familienbetrieb ein Meister gebraucht wird und sie später einmal die Firma übernehmen möchte, entschied sich Maike Büring für den Meisterlehrgang am HBZ. »So ein Brief macht sich auch gut an der Wand.« Mit den ersten beiden Teilen ist sie fertig. Teil III und IV folgen noch.

Mira Mildenberger rollt das Feld von hinten auf – in Teilzeit. Zunächst wollte sie nur den Ausbilderschein (Teil IV) machen. Das ging online nach der Arbeit. Dann entschloss sie sich, Teil III dranzuhängen. Mit I und II ist sie ebenfalls bereits angefangen.

Einzige Frauen in der Meisterklasse

Beide sind bei je 30 Teilnehmern die einzigen Frauen in ihren Kursen. Maike Büring hatte erst Sorgen, wie das wird. Aber: »Es läuft alles entspannt und macht Spaß.« Mira Mildenberger kannte das Kräfteverhältnis schon aus der Berufsschule. »Insgesamt liegt der Frauenanteil in den HBZ-Lehrgängen bei 15 Prozent«, erklärt Jörg Haep, stellvertretender HBZ-Geschäftsführer.

Mira Mildenberger und Maike Büring räumen mit den Vorurteilen auf und machen deutlich: „Es ist keine Frage des Geschlechts, sondern des Charakters.“

Text: Jan-Philipp Jenke